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Der Verlust letzter kleine Dorfläden und die Möglichkeiten sich im Dorf zu treffen, lässt gelebte Strukturen immer mehr verschwinden. Wir fragten uns, was müssen wir tun, damit der Bäcker wieder aufs Dorf kommt oder der Käse aus der näheren Umgebung nicht von der nächsten Fahrt in die Stadt abhängt? Regionale Wertschöpfung und der Zugang zu vor Ort produzierten Lebensmitteln als Aufgabe des Gemeinwohls, weg vom gewinnorientierten Handel? Eigentlich haben wir nur zeitnah Bestellungen von Nachbarn und Freunden gesammelt und uns die Waren gegenseitig mitgebracht. Bald benötigten wir Listen und haben eine Anrufzeit zum Bestellen vereinbart. Das alles begann im Dezember 2021. Wir haben einen Pavillon aufgebaut und miteinander unsere bestellten und mitgebrachten Waren ausgetauscht. In rauer Winterluft bei heißem Tee ergaben sich wie im Kaleidoskop immer neue Möglichkeiten. Wir spinnen die Fäden weiter, verstehen uns als Versorgungsnetzwerker, erfahren sozialen und gesellschaftlichen Mehrwert und planen alternativ zu fehlenden Dorfläden eine eigene Plattform für regionale, nachhaltige Produkte der Grundversorgung. Im Idealfall soll diese durch jeden beliebigen Standort oder regionalen Erzeuger erweiterbar sein, intelligente Lösungen für optimale Liefertouren erkennen, um schädliche Emissionen zu vermeiden, sowie lokale Pfandsysteme einschließen. Und es ermöglichen bestellte Waren im Dorf, oder einfach nur um die Ecke, fußläufig oder mit dem Fahrrad abzuholen.
gegründet
Status
Im Aufbau
Ort/Region
Reichenbach , Görlitz
Bundesland
Sachsen
Wirkungsraum
Region
Dorf
lWir sind davon überzeugt, dass unsere Idee gerade in strukturschwachen Orten eine Möglichkeit ist gesellschaftliches Miteinander und Daseinsfürsorge zu vereinen. Der Ausgabeort kann jeweils jeder möglicher Treffpunkt im Ort sein, kann an bestehende Einrichtungen, wie zum Beispiel ein Vereinshaus oder eine Kirchgemeinde angegliedert sein und somit auch ein Anreiz sein, beim Gang ins Dorf gleichzeitig noch seinen Einkauf zu organisieren. So ist es möglich beim Abholen der Ware die Gemeinschaft zu pflegen, auch mal bei Kaffee und Kuchen, Wissen über die einzelnen regionalen Erzeuger zu vermitteln und deutlich zu machen wie alternative Modelle der Nahversorgung funktionieren können. Bei unseren Gesprächen Vorort stellten wir fest, dass sich mittlerweile auch Skeptiker vorstellen können, über das Internet zu bestellen. Vorbildwirkung entfaltet sich am besten, in dem man Menschen vom Mitmachen überzeugen kann. Ein wichtiger Aspekt wird sein, auch lokale Akteure vom Einkaufen bei derartigen Initiativen zu überzeugen. Gerade Ortschafts- oder Gemeinderäte gilt es anzuhalten, mit regionalen Einkaufsverhalten vorbildhaft zu sein. Unsere Ansatz beim Thema plastikfreie Verpackung und Pfandsystem kann wegweisend sein. Wenn sich ein derartiges System etabliert und man sich auf gemeinsame Grundsätze einigt, könnte man auch andere Erzeuger, die einen erheblichen Mehraufwand befürchten, überzeugen. Ist einmal ein Pfandsystem geschaffen, schließen sich auch weitere Produzenten an. Bekannter machen wir unsere Idee durch unsere Kooperationen und wir beteiligen uns an Dorfereignissen, wie z.B. dem gemeinschaftlichen Apfelpressen am alten Bahnhof in Hilbersdorf oder Naturmärkten in der Umgebung. Das Wichtigste ist allerdings stehts den persönlichen, direkten Kontakt mit der Dorfgemeinschaft zu suchen und für die Idee zu werben.
Unsere Initiative möchte eine Onlineplattform sowie eine feste Ausgabestelle im Dorf schaffen, beispielhaft für jeden möglichen Standort, bzw. Abholpunkt. Unser Ziel ist eine Rechtsform zu wählen (Verein) und ein interaktives Bestellsystem für Region, hier Niederschlesische Oberlausitz, zu inizieren in dem regionale Waren aus der unmittelbaren Umgebung geordert werden können und Leerfahrten für die Optimierung von Lieferkapazitäten genutzt werden, z.B. auch unsere Arbeitswege. Digital sollen nachhaltige Produkte aus der näheren Umgebung Sichtbarkeit erlangen und die Lebensqualität der Menschen vor Ort gesteigert werden, ohne die älteren oder weniger im Digitalen verankerten Bewohner auszuschließen. Mit der vorläufigen Möglichkeit des analogen Bestellens soll jeder angesprochen werden und behutsam Barrieren gegenüber digitalem Bestellen abgebaut werden. Wir definieren Daseinsführsorgen neu, wollen unsere Grundversorgung selbstbestimmen und einen neuen Treffpunkt definieren.
Im Dezember 2021 starteten wir. Die erste Nachbarschaftshilfe realisierten wir durch Weitersagen oder persönliches Ansprechen. Mit dem Bäcker, Armin Hübner aus Horka, wurde eine Liste von möglichen Produkten erstellt. Bald folgten Marmeladen, Sirupe und Gemüse. Als es wärmer wurde organisierten wir einen Kühlschrank um etwas Käse, Quark und Joghurt und Fischwaren für die Abholenden bereitzustellen. Derzeit überlegen wir, wie die Kosten für Strom für den Kühlschrank, Ausgaben für Druckkosten, vielleicht ein paar eigene Kisten, etwas Logistiktechnik und die Internetplattform gedeckelt werden können. Weiterhin soll das Profil der Erzeuger auf unserer Internetseite sichtbar werden. Nach unserem Erfolg beim eku 2022 sind wir in Kontakt mit einer Softwarefirma getreten um erste Gespräche bezüglich unserer Plattform und den Rahmen und die Umsetzbarkeit zu tätigen. Eine auf Gemeinnützigkeit ausgerichtete Satzung wollen wir bis Herbst 2023 miteinander formulieren und hoffen die entscheidende Gründungsphase bis Ende des Jahres 2023 abzuschließen. Vor Ort möchten wir das Herrichten einer Räumlichkeit voranbringen und Menschen einladen und ermutigen an unserem Projekt teilzuhaben.
Da es im ländlichen Raum kaum noch Einkaufsmöglichkeiten oder Wochenmärkte gibt, weil sie nicht wirtschaftlich betreibbar sind, fehlt nicht nur die Möglichkeit der Nahversorung vor Ort, sondern auch der traditionelle Treffpunkt. Deshalb ist es unser Ziel, generationsübergreifend die Ausgabe bestellter regioneller Waren beim gegenseitiges Kennenlernen und Austausch zu organisieren. Somit verbessern wir die Lebenssituation der Menschen im ländlichen Raum und geben ihnen die Möglichkeit sich beim Abholen der bestellten Waren zu treffen, kennenzulernen und miteinander in Kontakt zu bleiben. Durch den Kontakte zu den Lebensmittelnwerker werden die Bewohner für die regionalen Lebensmitteln sensibilisiert und für ein nachhaltigeres Kaufverhalten gewonnen. Langfristig stärken wir damit regionale Wertschöpfungsketten und schonen Ressorcen zum Wohle aller.
In erster Linie freuen wir uns über die gute Zusammenarbeit „Sohland lebt e.V.“, kooperiert wird auch mit den Erzeugern oder Lebensmittelwerkern. Das sind die Bäckerei Hübner aus Horka, die Gärtnerei Jung aus Hilbersdorf, die Gärtnerei Fritsche aus Zittau, der Imker Mike Schwarzbach, die Marmeladenproduzentin Annegret Knieß, die Käsescheune Deschka. Diese Kontakte ergaben sich auch durch die Marktschwärmerei Görlitz. Besonders freuen wir uns über die Zusammenarbeit mit dem Verein GEDES e.V., Vorstandsvorsitzer Norbert Döhring initiiert für Reichenbach, welches wenige Kilometer entfernt ist, ein Modellvorhaben mit dem Namen „Landstadt 2030“. Als ausgewiesene Impulsregion des sächsischen Regionalen Entwicklungskonzeptes soll gezeigt werden, dass zielgerichteter Strukturwandel, zukunftsgerechte und nachhaltige Wirkungen im ländlichen Raum erzielt werden können. Mit einbeziehen wollen wir weiterhin Interessierte vor Ort, die diese Idee weitertragen, voranbringen und realisieren.
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Der Engagement-Wettbewerb „machen!2023“ würdigt das vielfältige Engagement in ländlichen Regionen Ostdeutschlands. Der Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Carsten Schneider, und die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) suchen die besten 100 Ideen für den Zusammenhalt bei euch vor Ort.
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