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Im gesamten Altmarkkreis gibt es bisher keinen Ort für LGBTQIA+ (Lesbian, Gay, Bi-, Trans*, Queer, Inter-, Asexual) Menschen. Dieser soll nun in Form der "Szene", eines Raumes in dem bereits bestehenden soziokulturellem Zentrum Kultur-Nische an der Ecke Radestraße / Neutorstraße in Salzwedel, entstehen. Ziel unseres Vorhabens ist es, queeren Menschen in Salzwedel und Umgebung mit der Eröffnung eines Schutzraums einen räumlichen und zeitlichen Rahmen zu bieten, in dem sie regelmäßig die Belange der Salzwedeler LGBTQIA*-Gemeinschaft besprechen und sich organisieren können. Am 25. Juni 2022 fand in Salzwedel die erste Christopher-Street-Day-Parade (CSD) in der Salzwedeler Innenstadt statt, bei der wir uns kennengelernt haben. Im Gespräch entwickelten sie die Idee, diese jährliche und von einem Magdeburger Verein (CSD Magdeburg e.V.) durchgeführte Veranstaltung durch ein ständiges Angebot vor Ort, das sich an queere Menschen richtet, zu ergänzen. Die Emanzipation queerer Menschen in Deutschland hat in den letzten zehn Jahren große Fortschritte zu verbuchen: Die „Ehe für alle“ und damit vollständige rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare im November 2017 oder auch das zuletzt von der aktuellen Bundesregierung verabschiedete Selbstbestimmungsgesetz sind Ausdruck dieses gesellschaftlichen Wandels. Das Stadtbild und das gesellschaftliche Angebot im Altmarkkreis Salzwedel werden dieser Wirklichkeit bisher allerdings nicht oder nur unzureichend gerecht.
gegründet
2022
Status
Weiterentwicklung
Ort/Region
Salzwedel , Altmarkkreis Salzwedel
Bundesland
Sachsen-Anhalt
Wirkungsraum
Region
Kleinstadt
Landesweit
Organisation
Initiative
Verein
Freie Gruppe
Netzwerk
Raum
Einzelne Räume
Besondere Immobilie
Großes Haus/Hof
Die Initiatoren der Szene hoffen sehr, dass die Idee eines queeren Space in anderen Orten Nachahmer:innen findet. Rund 7,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland bezeichnet sich selbst als dem queeren Spektrum zugehörig – in Großstädten und unter jüngeren Menschen ist dieser Anteil vermutlich höher, in ländlichen Gebieten und unter älteren Menschen vermutlich niedriger. Obwohl queere Formen des Zusammenlebens und sexuelle bzw. geschlechtliche Vielfalt inzwischen auch in ländlichen Gegenden hohe Akzeptanz in der Bevölkerung erfährt, finden queere Menschen im Altmarkkreis keinerlei queere Infrastruktur vor, wie beispielsweise Cafés, Buchhandlungen, Bars, Beratungsstellen, Gesundheitseinrichtungen oder kulturelle Orte, die sich an ihre Bedürfnisse richten. Gerade junge, queere Menschen ziehen aus dem Altmarkkreis weg in die Großstädte, die ein toleranteres Klima im Bezug auf ihre Sexualität oder Geschlechtsidentität versprechen. Die Existenz der Szene Salzwedel und jeden Ortes für queere Menschen kann daher auch ein entscheidendes Argument für junge Menschen sein, um den Altmarkkreis nicht zu verlassen oder sogar hier herzuziehen. Auch in den Städten und Gemeinden außerhalb der Kreisstadt möchten die Initiatoren mit der Szene die Entwicklung von solchen Angeboten unterstützen.
Die Szene in der Kultur-Nische soll ein für den Altmarkkreis zentraler Anlaufpunkt für queere Menschen sein. Das bedeutet insbesondere, dass wir in der Szene einen Raum für queere Kunst und Kultur, gesellschaftliches und politisches Engagement, Stadtentwicklung und Begegnung schaffen wollen. Queere Menschen sollen dort erstmals einen öffentlich zugänglichen, aber geschützten Raum in Salzwedel vorfinden, in dem sie sich treffen, austauschen, vernetzen und organisieren können. Mittelfristig sind auch politischer Aktivismus, die Ausrichtung von Festen oder queeren Kulturveranstaltungen und die Einrichtung eines Dokumentationszentrums für queere Literatur und Geschichte geplant. Über die Stadt- und Kreisgrenzen hinaus soll die Szene als Anlaufstelle für queere Organisationen und artverwandte Initiativen fungieren.
Das Ziel für das Jahr 2024 ist es, den Raum im ersten Obergeschoss der Kultur-Nische, in dem die Szene entstehen soll, nutzbar und winterfest zu machen. Das beinhaltet eine Dämmung der Außenwand, die Installation einer Heizung, sowie die denkmalgerechte Gestaltung der Wände. Um die Angebote der Szene bekannt zu machen, müssen die Homepage und Social Media-Kanäle betrieben sowie Flyer und Plakate gedruckt werden. Die ehrenamtliche Arbeit der Szene soll durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden. Weitere Ziele für das nächste Jahre sind es, einen festen und weithin bekannten Ort für queere Menschen im Altmarkkreis etabliert zu haben, mindestens eine monatliche Veranstaltung durchgeführt zu haben, eine Gruppe von etwa 20 Personen dauerhaft an die Szene zu binden und verlässlicher Vernetzungspartner für andere, auch überregionale queere Organisationen zu sein. Eine Idee, die die Antragsteller in der Szene umsetzen möchten, ist ein queeres Dokumentationszentrum, das die queere Geschichte und Gegenwart der Altmark, Sachsen-Anhalts und Ostdeutschlands, sowie Bücher von queeren Autor:innen und zu queeren Themen in Form einer kleinen Bibliothek bereithält.
Die Szene richtet sich an queere, d.h. homo-, bi-, inter-, pan- und asexuelle, transidente und nicht-binäre Menschen aller Altersgruppen. Der Ansatz der Initiatoren ist dabei ausdrücklich intersektional und inklusiv. Die Szene soll insbesondere auch für queere Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund, queere Menschen mit Behinderung ein Ort sein, an dem sie sich zuhause fühlen. Das Prinzip der "chosen family" (selbstgewählten Familie) ist vor allem für queere Menschen, die von ihren biologischen Familien nicht akzeptiert werden, immens wichtig. Der Wirkungskreis der Szene beschränkt sich allerdings nicht ausschließlich auf queere Menschen. Durch Veranstaltungen, die mit Unterstützung der Vereinsmitglieder der Kultur-Nische durchgeführt werden, soll auch der Austausch zwischen queeren und nicht-queeren Menschen in Salzwedel, die Sensibilisierung für sexuelle Minderheiten und Identitäten und die gegenseitige Achtsamkeit und Rücksichtnahme gefördert werden.
Seit Oktober 2022 finden einmal monatlich sogenannte "Szenetreffs" statt, die von etwa 15 Menschen besucht werden. Momentan finanzieren wir diese informellen Treffen (Miete, Heizkosten, Getränke, Druck von Flyern, Homepage-Gebühren, usw.) überwiegend aus eigener Tasche. Trotzdem hat die Szene als einer der wenigen queeren Orte im ländlichen Raum in Sachsen-Anhalt bereits viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Wir pflegen guten Kontakt zu queeren Initiativen in den Großstädten Sachsen-Anhalts (CSD Sachsen-Anhalt, LSVD, BBZ, Kompetenzzentrum geschlechtergerechte Kinder-u. Jugendhilfe Sachsen-Anhalt e.V., Trans-Inter-Aktiv in Mitteldeutschland e.V.), im benachbarten Niedersachsen (Checkpoint Queer Lüneburg, Spektrum Gifhorn, Queer Wendland) und anderen Soziokultur-Initiativen in Salzwedel (Bürgermeisterhof, Aktion Solidarisches Salzwedel, Arbeitskreis Salzwedeler Altstadt, Miteinander e.V., Ökodorf Sieben Linden) und der Politik auf Kommunal- und Landesebene (Grüne, SPD, Linke)
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Der Engagement-Wettbewerb „machen!2023“ würdigt das vielfältige Engagement in ländlichen Regionen Ostdeutschlands. Der Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Carsten Schneider, und die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) suchen die besten 100 Ideen für den Zusammenhalt bei euch vor Ort.
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