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In welchem Kontext hilft Kino? Warum ist Kino wichtig?
Ein Kino ist ein Erlebnisort, an welchem man sich wohlfühlt, unterhalten, erfreut, begeistert, berührt und an dem Spannung erzeugt wird. Er bietet eine Auszeit vom Alltag; man kann abschalten.
Das Kino kann Menschen, besonders auch Kindern und Jugendlichen, als Bildungsort dienen. Es kann bestimmte Themen in das Bewusstsein rücken, das Interesse wecken, Wissen vermitteln, zur Meinungsbildung beitragen und zum Austausch bzw. zur Diskussion anregen. Außerdem können mit dem Schauen von Filmen in der Originalsprache mit Untertiteln Sprachkenntnisse verbessert werden.
Leute werden durch Kinos an einen Kulturort gebracht, an dem das gesellschaftliche Miteinander, die Gemeinschaft im Dorf und in der Region und das Zugehörigkeitsgefühl gestärkt werden. Das Interesse für kulturelle Erfahrungen und kulturellen Austausch wird geweckt. Kinos sind also kulturelle und soziale Lernorte.
Wie geht das? Was ist zu beachten? Was brauche ich dafür?
Euer Kino muss gemütlich eingerichtet sein, damit eure Besucher sich gerne in ihm aufhalten. Neben gedimmtem Licht sollte es Sitzecken im Foyer geben. Auch im Kinosaal sollten die Sitze bequem sein, außerdem vielleicht mit Flaschenhaltern oder Tischchen ausgestattet. Richtet die Sitzplätze so ein, dass auch die Besucher aus der letzten Reihe alles auf der Leinwand sehen und verstehen können! Dafür ist eine Technik wichtig, die gutes Bild und guten Sound gewährleistet. Stellt Einrichtung auf, um, weg, probiert Neues aus! Dadurch, dass es jedes Mal anders aussieht, wird jeder Kinobesuch in euren Räumlichkeiten interessant.
Sucht euch die Filmhighlights des letzten Jahres, der letzten Jahre oder Jahrzehnte heraus, um sie in eurem Kino zu zeigen! Ihr könnt themenbezogen Filme zeigen, z. B. Weihnachtsfilme zu Weihnachten oder "Die Feuerzangenbowle" mit einem Glas Feuerzangenbowle zu Silvester. Veranstaltet Kinoabende zu bestimmten Themen; zeigt z. B. Horrorfilme oder eine ganze Filmreihe wie "Harry Potter"! Bei Themenabenden oder -wochen können auch Dokumentationen gezeigt werden mit anschließender Diskussion zu bestimmten Themen, z. B. über bestimmte Kulturen oder über Themen des Natur- und Umweltschutzes. Durch eine Filmwoche oder andere Angebote für die Schulen und Kindergärten der Umgebung zieht ihr viele Kinder an. Aus einer Filmpremiere könnt ihr ein ganz außergewöhnliches Event machen. Besondere Konzerte, Musicals, Opern oder selbstgemachte Kurzfilme können ebenso im Kino gezeigt werden.
Gefällt jemandem das Programm nicht, sollte er die Möglichkeit bekommen, euch per E-Mail und vor Ort Filmvorschläge mitzuteilen, welche ihr umsetzen könnt. Vielleicht zieht der Wunsch noch viele andere Kinobesucher an.
Zum Kino gehören Popcorn, Chips oder Nachos mit Salsa-Dip und Käsesoße sowie Getränke, z. B. Bionade, Proviant-Limonaden, wechselnde Biersorten aus der Region und Weine. Überlegt euch, was ihr noch mit ins Angebot aufnehmen wollt! Lasst euch etwas einfallen, damit ihr keinen Müll produziert und denkt über regionale Alternativen nach! Vielleicht finden sich da Kooperationspartner. Lasst einen Getränke- oder Snack-Hersteller der Umgebung mit euren Kinogästen Spiele spielen oder Gewinnspiele durchführen. So kann er für sich selbst werben und gleichzeitig haben eure Kinogäste ein tolles Erlebnis. Unternehmen oder privaten Erzeugern der Umgebung könnt ihr anbieten, mit Kino-Spots, Aufstellern, Bannern oder Flyern in eurem Kino zu werben.
Wo kann man eure Kinokarten kaufen? Im Internet und telefonisch oder lediglich vor Ort an der Kinokasse?
Wo findet man euer Kinoprogramm? Auf eurer Website, in Social Media, in Flyern in den Briefkästen, auf Plakaten an öffentlichen Orten oder lediglich am Kino selbst angeheftet? Rührt ordentlich an der Werbetrommel, damit genug Besucher kommen! Ein wöchentlicher Newsletter hält eure Kinobegeisterten auf dem Laufenden und animiert sie, mal wieder ein Filmchen bei euch zu schauen. Führt einen Kinotag ein, einen "Film der Woche" und einen Rabatt für Schüler und Studenten! Vorankündigungen von Filmen sollten rechtzeitig beworben werden.
Gutscheine sind ein begehrtes Geburtstags- und Weihnachtsgeschenk. Die solltet ihr zum Kauf vor Ort in Form einer hübschen Papierkarte anbieten. Viele mögen es lieber, einen Gutschein online zu kaufen und in einem PDF-Dokuments per E-Mail gesendet zu bekommen.
Mit einer Stempelkarte könnte z. B. jeder 6. Film gratis sein. Kleine und große Kinoliebhaber würden bestimmt gerne mit ihrem Lieblingsfilm und vielen Freunden ihren Geburtstag feiern. Ihr könnt eure Kino-Räumlichkeiten für Feste, Feiern oder andere Veranstaltungen vermieten.
Das Zeigen einer gekauften DVD vor einer Klasse oder einem Kurs (nicht aber in kürzeren Kursen der Erwachsenenbildung) ist ohne Einschränkungen möglich. Wollt ihr mit anderen Leuten eine Kinoveranstaltung durchführen, müsst ihr für die Leihe und Lizenz beim Filmverleih eine Filmmiete bezahlen. Das sind in der Startwoche um die 50 % eurer Einnahmen. Häufig muss der Kinobetreiber dem Verleih eine Mindestgarantie von 100-250 € zahlen. Die Filme werden auf Festplatten versandt. Bei älteren Filmen hat der Filmverleih manchmal nur noch den Film, aber nicht mehr die Rechte, oder die Rechte an dem Film, aber nicht mehr den Film an sich. Das jeweils Fehlende muss dann von euch anderweitig besorgt werden. Es gibt aber auch nichtgewerbliche Filmverleihe wie Landesfilmdienste- oder Landesmediendienste-Vereine, welche meist nur DVDs und BluRays anbieten.
Ich nehme an, dass euer Kino im Vorjahr nicht über 100.000 € Umsatz pro Leinwand gemacht hat. Dann nämlich müsst ihr keine Filmabgabe entrichten, sondern unterliegt lediglich der Meldepflicht gegenüber der Filmförderungsanstalt.
Die öffentliche Wiedergabe von Musik, also sowohl von eingespielter Musik im Foyer als auch von Filmmusik, ist nach Urheberrecht lizenzpflichtig, sofern der Komponist und Liedtexter nicht vor 70 Jahren gestorben ist. Die Lizenzen für Filmmusik werden nicht bei den Verleihern zusammen mit den Vorführlizenzen erworben, sondern bei der GEMA, bei der eine Spielfilm- und Trailerprogrammmeldung sowie eine jährliche Umsatzmeldung gemacht werden muss.
Betreiberkonzepte
Fragt eure Gemeinde, ob sie ein kommunales Kino einrichten möchte. Wenn nicht, gibt es andere Möglichkeiten, an Gelder zu kommen. Gründet ihr einen Film-Club (Verein), könnt ihr von den Mitgliedsbeiträgen und den Einnahmen von Eintritt und dem Verkauf von Getränken und Snacks die Raummiete zahlen.
Wichtige Abwägungen
Überlegt euch, wie viel Eintritt ihr verlangen wollt, sodass jeder Kinowillige die Möglichkeit hat, den Film zu sehen. Habt ihr genügend Platz, könnt ihr die besseren Plätze teurer machen als die schlechteren. Soll jeder freie Platzwahl haben oder soll der Platz bei Kartenkauf bereits festgelegt werden? Freie Platzwahl spart Aufwand für euch.
Welches Angebot wäre möglich?
- Kooperation mit Kindergarten, Hort, Schule und Jugendclub
- Live-Übertragung: Konzert, Oper, Musical, Theaterstück, Sport
- Effektkino: Ansprechen anderer Sinne wie Fühlen und Riechen, z. B. mit kippenden, rüttelnden Sitzen, Sprühnebel, Gerüchen, Wind
- Wissenschafts-Kino: Experte, der vor dem Film Einführung in das Thema gibt und nach dem Film für eine Diskussionsrunde zu Verfügung steht
- Meet & Greet: Kinofilm wird gezeigt mit Film-Mitwirkenden oder dem Autor der Romanvorlage, beantworten Fragen oder geben Hintergrundinfos
- Kinderfilm mit anschließender Bastelstunde
- Senioren-Kino: alte Filme werden gezeigt
- Puppentheater, Kabarett, Show, Lesung, Vortrag oder Konzert in Kino-Räumlichkeiten
- Weihnachts-, Firmen-, Vereins-, Geburtstags-, Verlobungs-, Hochzeitsfeiern, Junggesellenenabschied, Jugendweihe, Feste, Versammlungen, Präsentationen, Meetings, Firmenevents
- Mobiles Kino, z. B. Freiluftkino oder Kino im Zelt, welches über's Land tourt
- Fahrradkino: mit umgebauten Rollentrainern mit Fahrrädern drauf, Energieeinheit, Beamer, Soundanlage, Projektionsfläche und Laptop, Kinobesucher leisten Bewegungsenergie, die durch Generatoren und Wechselrichter in 230 V Wechselstrom umgewandelt wird, Steuerungselektronik und Batteriepuffer sorgen für sichere Spannungsversorgung, kann man ausleihen
- Kino-/Film-Café
Vision Kino – Das Netzwerk für Film- und Medienkompetenz
Vision Kino – Das Netzwerk für Film- und Medienkompetenz fördert die Film- und Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen, informiert, berät, unterstützt, vernetzt, koordiniert und evaluiert. Es stellt kostenloses Lehrmaterial und didaktische DVDs zur Verfügung und bietet Fortbildungen und Kongresse an. Ein Projekt sind die SchulKinoWochen, an denen ihr mit eurem Kino teilnehmen könnt.
Im Bundesverband kommunale Filmarbeit sind kommunale, studentische, freie nichtgewerbliche, auch mobile Kinos und Filmfestivals Mitglied. Neben einem Bundeskongress hat er einen kleinen Filmverleih, stellt thematische Filmreihen zusammen und organisiert die Kinotournee der Gewinner des Deutschen Kurzfilmpreises mit. In der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift "kinema kommunal" gibt es auch Artikel zur Gründung von nichtgewerblichen Kinos. Außerdem gewährt die GEMA Mitgliedern 20 % Rabatt.
Wird euer Kino Mitglied im HDF Kino e.V., könnt ihr euch in Versammlungen mit anderen Kinos austauschen, an Schulungen und Weiterbildungen teilnehmen, bekommt Nachlass bei der GEMA und könnt kostenlos in ein anderes Mitglieds-Kino. Auch im Netzwerk innovativer Kino-Kollegen (NIKO) könnt ihr euch engagieren.
Das Goethe Institut hat in seiner digitalen Bibliothek Onleihe eine Filmsammlung integriert, in welcher man nach Anmeldung kostenlos Filme für den privaten Gebrauch streamen kann. Es gibt Filme in unterschiedlichen Sprachen.
Kino macht Schule ist eine vom Verleih Filmladen aufgebaute Website, auf der es kostenloses Unterrichtsmaterial zu diversen Filmen für alle Altersstufen gibt. Links zu den Filmen können für 2 €/Schüler vergeben werden und sind 72 h gültig.
Auf der Seite der SchulKinoWochen Berlin wird mit Hilfe von diversen Materialien angeregt, wie man mit Kindern einen normalen Raum zu einem Kinosaal und das Gucken eines Films zu einem Kinoevent gestalten kann. Zusätzlich können mit bereitgestellten Arbeitsblättern Themen wie die Bedeutung des Kinos, wofür der Eintritt verwendet wird und Film-Berufe bearbeitet werden.
Bei der Gründung eines Hochschulkinos unterstützt Unifilm. Dort gibt es bereits ein bundesweites Netzwerk. Unifilm bietet einen riesigen Filmpool, Werbemittel und Rechtsschutz.
Ein energieautarkes Fahrradkino könnt ihr euch leihen und so in euer Dorf oder eure Stadt holen. Es kostet natürlich etwas, dafür ist es inklusive Betreuungsperson und ihr benötigt keinen Strom zum Betreiben. Ihr könnt es euch aus Berlin oder Freiburg leihen oder eines der bereits vorhandenen fest etablierten Fahrradkinos nutzen.
Die Initiative Im Fokus: Film Bildung Kino (IF:FBK) beschäftigt sich mit der Zukunft von Filmbildung und Filmvermittlung. Ein Hauptaugenmerk wird dabei zum einen auf die Kooperation untereinander gesetzt, zum anderen auf die Schaffung von Orten und Strukturen der Filmbildung.
Anregungen für einen ökologischeren Kinobetrieb könnt ihr euch bei der Initiative Grünes Kino holen. Hierbei geht es neben der Energieeffizienz und Ökostrom um Müllproduktion, umweltfreundliche Alternativen und um ein ökologisches Essens- und Trinkangebot.
Arbeitsgemeinschaft Kino der Gilde Deutscher Filmkunsttheater
Euer Kino kann Teil der AG Kino, der Gilde Deutscher Filmkunsttheater werden. Das „Netzwerk für Landkinos“ dient den Kinos zur Vernetzung und zum Austausch, auch via Online-Plattform, zu Themen wie Einkaufsgemeinschaften, der Organisation von Filmreihen, der Teilnahme an Kinotouren, Marketing, Technik sowie Weiterbildung. Kinobesucher mit einem Gildepass erhalten ein Jahr lang ermäßigten Eintritt in die ca. 90 teilnehmenden Filmkunstkinos.